Wahl der Region

Im Mittelalter existierte noch keine Globalisation. Natürlich reisten auch damals schon Menschen von einem zum anderen Ort, doch insgesamt herrschten regionale Unterschiede in der Entwicklung, Mode und im Stand der (Kriegs-, Rüst- und Waffen-) Technik vor.

Eine einfache Lösung für dieses Problem ist dabei, sich auf ein “Land” zu konzentrieren.
So lebten die Franzosen anders als Engländer oder gar die Leute aus dem Heiligen Römischen Reich (aus dem später teilweise Deutschland hervorgehen sollte).

Wer noch genauer sein möchte, konzentriert sich auf einzelne kleine Königreiche, Herzogtümer, Grafschaften oder später gar einzelne Städte. Schon hier kann es gewaltige Unterschiede zu den “Nachbarn” geben.

Wir spezialisieren uns beispielsweise auf die Grafschaft Nassau im Bereich Wiesbaden und Umgebung, da dies der Gründungsort des Vereins ist.

Wahl des Zeitraumes

Jeder, der sich eingehender mit dem Thema Mittelalter beschäftigt, wird zudem schnell feststellen, dass “Mittelalter” als Zeitangabe nicht ausreicht. Der Begriff ist ein Kunstwort, welches einen großen Zeitraum mit wiederum unterschiedlichsten Entwicklungen, Moden und (Kriegs-, Rüst- und Waffen-) Techniken zusammenfasst.
Bis heute ist es umstritten, wann das Mittelalter überhaupt anfängt und wann es genau aufhört.

Allerdings lassen sich gewisse Unterteilungen treffen. Wir orientieren uns hier am “dtv-Atlas zur Weltgeschichte, Band 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution” mit folgenden Einteilungen für die Region Heiliges Römisches Reich:

Frühmittelalter

Beginn 375 (Völkerwanderung)
Ende 911 (Auflösung des Ostfränkischen Reichsteils im Magyarensturm)

Hochmittelalter

Beginn 919 (Deutsche Reichsgründung und König Heinrich I./Ottonen)
Ende 1268 (Untergang der Staufer)

Spätmittelalter

Beginn 1273 (Ende des Interregnums, König wird von Kurfürsten gewählt)
Ende 1493 (Nach der Entdeckung der Neuen Welt durch Columbus)

Wie auch in der Moderne kann eine solch grobe Einteilung immer noch nicht als genaue Angabe bezeichnet werden. Auch im Mittelalter entwickelte sich die Gesellschaft schnell, sodass in der Regel nach spätestens 20 Jahren ein Wandel in Mode und Technik stattfand.
Dieser ist natürlich, gerade für den Laien, nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.

Wir haben uns für den Zeitraum 1290 – 1310 entschieden. Warum?
Um 1292 wurde Graf Adolf von Nassau zum römisch-deutschen König ernannt und hatte diesen Titel bis zu seinem Tod in der Schlacht von Göllheim, um 1298, inne. Dies ist natürlich, neben dem Umbruch der Gesellschaft (um 1300), ein sehr interessanter geschichtlicher Aspekt für diese Region.

Wahl der Darstellungsform

Möchte man mit seinem Verein Wissensvermittlung betreiben, so muss natürlich auch der Grad der Darstellung festgelegt werden. Dies ist teilweise die schwierigste Entscheidung für einen Verein.
Hierbei geht es hauptsächlich um die “Authentizitätsfrage”.

Es muss sich also damit auseinandergesetzt werden, wie sehr sich die Darstellung an Funden, Erkenntnissen der Archäologie, Buchquellen / Bilderquellen und Statuen / Grabplatten orientieren soll.

Hierbei gehen die Meinungen weit auseinander. So reicht es dem einen Verein, ein “grobes Bild des Mittelalters” aufzuzeigen, während andere versuchen einen möglichst genauen Auszug ihres gewählten Zeitraumes und der Region widerzuspiegeln. Der zweite Ansatz kann meist noch in die sogenannte “2-Meter-Regel” und das sogenannte “Reenactment” unterteilt werden.

Die 2-Meter-Regel

Hierbei geht es im Wesentlichen darum, auf etwa 2 Meter Sicht, ein möglichst genaues Bild der gewählten Darstellung zu präsentieren. Dabei sind Unstimmigkeiten, die nur bei genauerem Hinsehen und einem besseren Vorwissen entdeckt werden, toleriert. Hierzu zählen die Maschinennaht (oft auch in der Form, dass alle sichtbaren Nähte trotzdem mit der Hand genäht werden), moderne Webtechniken, oder chemisch gefärbte Stoffe, die den damaligen Farben nahekommen.

Reenactment

Im Reenactment wird Authentizität großgeschrieben. Hier soll ein möglichst historisches Bild wiedergegeben werden. Dazu zählt, dass alle Materialien nachweislich in der getragenen / genutzten Form existiert haben (es wird also nur nach Fundlage / aktuellem Stand der Wissenschaft rekonstruiert).
Die Gegenstände müssen also auch genaueren Betrachtungen standhalten.

Ebenso ist hier oft der Ansatz zu finden, dass die Darstellung insgesamt passen muss. So darf ein Adliger nicht ohne Gefolge auftreten und auch ein “Gewöhnlicher” sollte möglichst dort dargestellt werden, wo es sinnvoll ist.

Natürlich wird man selten die Reinform der hier beschriebenen Gruppierungen vorfinden. Oftmals sind hier Mischungen aufzufinden. Eine 100-prozentig authentische Darstellung wird dazu nie möglich sein.

Unser Verein startete mit einer Form der 2-Meter-Regel. Gerade als junge Gruppe – die sich selbständig, ohne die Hilfe “alter erfahrener Gruppen” gegründet hat – ist es schwer, sich direkt mit Reenactment zu befassen. Allerdings setzen wir uns stets höhere Ziele, die in Teilen schon zum Reenactment gezählt werden können.

Wahl der Darstellung

Dies ist der persönlichste Teil, über den es nachzudenken gilt. Was stelle ich als Einzelperson und was stellen wir als Verein dar. Ein Adliger mag zwar verlockend klingen, bringt aber auch immer einen hohen Kostenfaktor mit sich (wenn er denn historisch nahe dargestellt werden soll). Die “einfache Bevölkerung”, die zudem einen Großteil der Gesellschaft ausmachte, hat durchaus ebenfalls ihre Reize und kann sehr günstig (auch historisch korrekt) dargestellt werden. Dabei hat man hier die Möglichkeit je nach Darstellung immer weiter “aufzurüsten” und kann sich so durchaus mit dem Adel an Prunk und Auftreten messen.

Wir versuchen ein Bild darzustellen, dass es so in der Form gegeben haben könnte. Somit ist bei uns der Adel limitiert vertreten und ein Großteil macht das Gefolge aus. Möchte man historisch nahe starten, können wir aus persönlicher Erfahrung nur empfehlen, mit einfachen Darstellungen anzufangen und diese Stückweise zu verbessern. Sollte man bereit sein eine größere Menge an Geld auszugeben, kann natürlich auch eine höhere Darstellung von Anfang an gewählt werden.

Weiteres Vorgehen

Ist man sich all der Fragen bewusst, kommt die große Frage des “wie Anfangen”?
Am besten ist es sich grundsätzlich klar zu werden, welche Zeit persönlich am interessantesten erscheint.

Ist diese Wahl getroffen, kommt die Recherche. Dabei können für den Anfang Bücher, das Internet, oder andere Gruppen helfen. Ein guter Einstieg ist beispielsweise die Seite http://www.mittelalterforum.com/, wo einem meist nette, ebenfalls Interessierte viele Tipps geben können.

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